Neuer Vorstand des DRZ Sachsen e.V. gewählt

Am vergangenen Freitag wählte das DRZ turnusmäßig seinen neuen Vorstand für die kommenden 4 Jahre. Der scheidende, amtierende Vorsitzende erinnerte mit emotionalen Worten an den in diesem Jahr, dem 30. Jahr des Bestehens, verstorbenen Vorsitzenden und Gründer des Vereins, Herbert Schmidt, und seine Verdienste. Dabei sind insbesondere die Aktivitäten zur Einrichtung von Sprachkursen für Spätaussiedler und Kontingentflüchtlinge – als es noch keine staatliche Förderung dafür gab -, des bis heute mehr denn jeh gefragten Sozialdienstes und des ersten Integrationsklubs in den neuen Bundesländern hervorzuheben. Nicht unerwähnt soll auch das aus dem DRZ hervorgegangene Kinder- und Jugendensemble „Sonnenschein“ bleiben, das er unter Leitung von Vera Eichler vor 24 Jahren ins Leben rief. in dem sich nunmehr ca. 650 Kinder und Jugendliche, teilweise bereits ab dem 18. Lebensmonat, nicht nur musikalisches Rüstzeug für ihre weitere Entwicklung aneigneten. Nicht verwunderlich, dass viele von ihnen auch überdurchschnittliche Schulabschlüsse erzielten, einige von ihnen ein Musikstudium aufnahmen und mehrere Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben „abräumten“. Derzeit fiebern die „Sonnenscheins“ ob ihrer Nominierung für den sächsischen Integrationspreis 2023 bis zum Verleihungstermin am 4. Dezember. Hier hat sich das Motto des DRZ „Fördern durch fordern!“ bewahrheitet.
Andererseits sehen das „Andere“ scheinbar anders. Die letzte Jahresbilanz des DRZ´s fiel ernüchternd aus. Trotz großen ehrenamtlichen Engagements bei der Unterstützung und Betreuung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, insbesondere in der Sozialarbeit und bei der Einbeziehung in das gesellschaftliche und kulturelle Vereinsleben konnte die abgelehnte Förderung wieder mal „unter Makulatur abgelegt“ werden. So war das „Überleben und Leben“ des Vereins nur durch Hilfe und Unterstützung des Dachverbandes Sächsischer Spätaussiedler(DSS) und den RV der LmDR möglich. Ein Beispiel dafür, wie sich freundschaftliche Zusammenarbeit bewährt. In der Vergangenheit hatte das DRZ dem RV der LmDR nahezu 10 Jahre lang das Weiterleben ermöglicht.
Die Diskussion war sehr von Leidenschaft geprägt. Neben den generellen bundespolitischen Problemen der Benachteiligung der Spätaussiedler vermissen die Mitglieder konsequente Reaktionen und klare Bekenntnisse der Landes- und Kommunalpolitik zu den Anliegen der Spätaussiedler. Das machten sie in ihren Beiträgen an vorgetragenen Fakten, wie
– der Verniedlichung des wahren Anteils der Spätaussiedler an der Bevölkerung auf der kommunalen Ebene,
– die zunehmende Ausgrenzung aus den kommunalen Migrantenbeiräten,
– die Schieflage in der Zuordnung, den Kompetenzen und der Ausstattung zwischen dem Ausländerbeauftragten und dem Beauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler, gekrönt durch die jüngste Reduzierung der Arbeitszeitvolumens des Beauftragten… um mehr als 50% in seiner Berufungsfunktion, wobei aber dennoch das außerodentliche, persönliche Engagement von Dr. Jens Baumann – auch über seine Arbeitszeit hinaus – würdigend anerkannt wird, oder sogar
– die Benachteiligung der Spätaussiedler in dem im Entwurfsstadium befindlichen sächsischen „Integrationsgesetz“, das die Förderung der Sozialarbeit auf Flüchtlingssozialarbeit einschränkt, bei der das Engagement des DRZ sowie der Im DSS vereinten Verbände bislang keine Berücksichtigung fand.
Der neue Vorstand erhielt deshalb den eindeutigen Mitgliederauftrag in die Wahlprüfsteinen an die Parteien zur Landtagswahl 2024 explizit bekennende Fragen an die Parteien zu formulieren.
Einen Lichtblick konnte der noch amtierende Vorsitzende in die Diskussion einbringen, hinsichtlich der Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig. Dazu hatte es im Vorfeld auf Initiative der als Beisitzerin kandidierenden Stadträtin, Dr. Olga Naumov, ein konstruktives, zukunftsträchtiges Gespräch mit der zuständigen Referatsleiterin gegeben.
In den neuen Vorstand des DRZ wurden gewählt: Eberhard Grashoff als Vorsitzender, Marion Hoffmann als stellvertretende Vorsitzende und Petra Epsch als Schatzmeisterin. Als Beisitzerinnen wurden unter Anderen, Vera Eichler und Dr. Olga Naumov gewählt.
Manfred Hellmund